Mehr als nur ein Twitter-Clone

Saturday, March 02, 2013 – 247 views

— by faase

Immer wieder hört man den Satz: "App.net? Das ist doch dieser Twitter Clone, nur eben kostenpflichtig." Und ja, auf den ersten Blick mag das tatsächlich auch so aussehen. App.net, oder kürzer ADN, ist allerdings mehr als das. Bereits heute offenbaren sich bei einem genaueren Blick deutliche Unterschiede zu einem "nur Twitter-Ersatz". Wenn man dann noch an das Potential des ADN Netzwerkes denkt, sind der Phantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt.

Um das zu erläutern, stelle ich einfach mal eine Frage in den Raum: Wieviele Zeichen können Beiträge auf ADN maximal haben? Ich gehe jede Wette, dass die meisten Leser an dieser Stelle wie aus der Pistole geschossen mit "zweihundertsechsundfünfzig!" antworten - und sie liegen mit dieser Antwort nicht so richtig falsch, aber doch ein bisschen. Die korrekte Antwort lautet: Mit ein paar technischen Kniffen kann man auf ADN bis zu 8000 Zeichen posten. Wer jetzt sein Smartphone zückt, den ADN-Client öffnet und wild gestikulierend auf die Zeichenbegrenzung von Felix, Dash oder Netbot zeigt, hat gleichzeitig recht und unrecht. Ja, mit diesen Clients kann man nur Posts mit maximal 256 Zeichen absenden - aber diese Clients nutzen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, die ADN bietet. Die Microblogging API (Application Programming Interfache, zu deutsch Programmierschnittstelle), ist nur eine von weit mehr bestehenden Schnittstellen. Es ist die Schnittstelle, welche am publikumswirksamsten ist und aus diesem Grund momentan am meisten genutzt wird. Unter ADN-Usern wird der Microblogging-Dienst oft auch als "Alpha" bezeichnet, da die Entwickler ihren Demo-Webclient so getauft haben. Alpha fungiert für App.Net wie eine Art Schaufenster, ein Demonstrationsobjekt, um der potentiellen Zielgruppe für den Anfang irgendetwas an die Hand zu geben. Der Mensch lebt schließlich nicht von Luft und Liebe. Werfen wir doch einfach mal einen Blick darauf, was es aktuell neben Alpha noch alles auf ADN gibt.

Personal Messages

Bei den Personal Messages handelt es sich um eine Schnittstelle zum Versenden von privaten Kurznachrichten. Das bietet so ziemlich jedes soziale Netzwerk auf die eine oder andere Weise an - da ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch ADN relativ schnell eine entsprechende Möglichkeit zum Versenden von privaten Nachrichten integriert hat. Im Gegensatz zu Twitter sind die Messages bei ADN Multiuser fähig, dass heißt, man kann mit einer Nachricht gleichzeitig mehrere User anschreiben. Die auf diese Weise Kontaktierten können widerum an alle Beteiligten zurück schreiben. Private Messages werden aktuell vorrangig in die Alpha Clients integriert - es handelt sich jedoch um eine vom Microblogging unabhängige Schnittstelle. Es spräche demnach nichts dagegen, diese in andere Anwendungen zu integrieren. So ließe sich zum Beispiel eine Chat-Anwendung realisieren.

Patter

Ach du Schreck, als hätte man es geahnt. Diese Chat-Anwendung ein Programmierer auf der ADN-Plattform realisiert. Bislang nur als eine im Browser laufende Web-App - aber immerhin. Mit dem ADN-Web-Client Patter lassen sich Chat-Rooms verwalten. Hierbei können eigene Chat-Räume angelegt, oder die frei zugänglichen Chat-Rooms der anderen User betreten werden. Bei eigenen Chats gibt es für den Room-Owner (also den, der den Chat Room angelegt hat) eine rudimentäre Rechteverwaltung. Man kann zum Beispiel einen rein privaten Chat anlegen. Vom rein technischen Standpunkt aus betrachtet, hat man im Prinzip nichts anderes gemacht, als eine Personal Message an mehrere konkret einzuladende User zu versenden - nur eben außerhalb der Alpha-Clients. Man kann aber auch öffentlich zugängliche Chat-Rooms anlegen und entweder jeden User Schreibrechte geben oder der großen Masse nur das Lesen, und ausgewählten Usern das Schreiben gestatten. Auf diese Weise ließe sich zum Beispiel ein moderiertes Interview vor einem mitlesenden Publikum führen.

Die Datenschnittstelle

Jeder App.Net-Kunde hat Zugriff auf einen eigenen Onlinespeicher. Freemium Accounts (also die kostenlosen, dafür aber in ihren Rechten eingeschränkten User) haben 500 MB Speicher, Premium Accounts haben 10 GB Speicher zur Verfügung. Dieser Speicher kann zum Beispiel genutzt werden, um Bilder oder Videos zu hosten, die man dann in Alpha, in Private Messages oder im Chat posten möchte. Das läßt sich grundsätzlich auch mit externen Dienstleistern erreichen. Wenn man aber nunmal schon sein eigenes werbefreies Netzwerk hat, warum sollte man dann nicht auch die multimedialen Inhalte auf Netzwerk-internem Speicher ablegen. Eine Besonderheit von ADN ist es, dass der User komplett Herr seiner eigenen Daten bleibt. Man gibt somit keinerlei Rechte an ADN ab, nur weil man hier postet, speichert oder was auch immer tut. Der ADN-Kunde ist König - und im Gegensatz zu allen anderen sozialen Netzwerken ist mit Kunde tatsächlich der User gemeint, und nicht der Werbekunde. Theoretisch wäre mit der Datenschnittstelle sogar ein Daten-Synchronisationsdienst ala Dropbox denkbar, vielleicht bastelt ein findiger Entwickler auch schon daran. Bis es soweit ist, kann man über den Web-Client "App.Net File-Manager" (ja, der Name ist nicht so richtig griffig) Daten hochladen, organisieren und löschen. Und da die ADN Schnittstellen netzwerkweit allen Programmieren offen stehen, haben sich beispielsweise die Patter-Entwickler nicht lange bitten lassen, und den Onlinespeicher zum unkomplizierten Datentransfer in ihre Chat-Anwendung integriert.

Und so weiter und so fort

Man kann mit vielen Kleinigkeiten so weitermachen. Es gibt zum Beispiel einen Client, mit dem man Umfragen veranstalten kann. "Questionsapp.net" heißt die Webapp, bei der man eine Frage einstellt, bis zu 10 Antwortoptionen vorgibt und anschließend auf "Erstellen" klickt. Link per Personal Message versenden, in einen ADN-Chatroom posten oder an die gesamte Gefolgschaft auf Alpha verschicken und fertig ist die Laube. Alles mit Netzwerk internen Mitteln. Ein russischer Programmierer hat eine Anwendung erstellt, mit der die Entwickler anderer ADN-Clients ihren Kundessupport direkt über die ADN Infrastruktur managen können. Es ist schlichtweg nicht möglich, alle kleinen Tools aufzuzählen, die sich die Entwickler bereits ausgedacht haben oder noch ausdenken werden, aber ich könnte ein Monatsgehalt darauf verwetten, dass eine der nächsten großen Anwendung eine Fotosharing-Software sein wird. Die Bauteile sind alle da, es muss sie nur noch jemand zusammen stecken. Man kann es sich so vorstellen: App.Net ist unheimlich starkes unbebautes Fundament, was die Entwickler für Gebäude draufstellen, bleibt ihnen überlassen.

8000 Zeichen

Ach ja, ich bin ja noch den Beweis schuldig, dass man über ADN auch deutlich größere Posts schreiben kann als die bekannten 256 Zeichen Beiträge. Die Zauberadresse zur Lösung lautet longposts.com, eine Plattform für bis zu 8000 Zeichen lange Blog-Beiträge unter Nutzung der ADN Infrastruktur. Das hat ein paar technische Kniffe gebraucht - aber offenbar haben sie es hinbekommen, ihr habt den Beweis gerade gelesen.


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